Der Mensch lebt in einer zweigeteilten Welt. Es sind zum einen die Strukturen der Mensch-Umwelt-Beziehung durch Tätigkeit, durch Handlungen die tatsächlich ausgeführt werden. Die Fähigkeit zu handeln und die gegenständliche Welt zu handhaben ist ein ständiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Das Kleinkind lernt zunächst greifen, werfen, dann laufen,… und später wird es vielleicht tanzen und Sport treiben. Das alles führt zu operationeller Intelligenz, zum begreifen der Wirklichkeit. Fertigkeiten bzw. körperlichen Handlungsweisen werden an Gegenständen selbst und nicht durch zeichengebundnen Wissensvermittlung erlernt.
Zum anderen bedient der Mensch sich der Sprache in dem er die Welt auf sich bezieht und lernt sie zu benennen. Sie ermöglicht es über Objekte zu reden die nicht real vorhanden sind und erlaubt einen Zugriff auf die Welt ohne das gehandelt werden braucht. Eine potentielle Handlung kann im Geiste zunächst vorweggenommen und analysiert werden und ist dadurch besser zu kontrollieren.
Die Menschen können mit Hilfe der Sprache ihr Erleben zuordnen, mitteilen und wechselseitig beeinflussen. Vorstellungen selbst sind jedoch etwas anderes, etwas bereits zuvor existierendes. Das Denken selbst funktioniert unabhängig von Sprache. „Sprache wurde niemals von jemanden erfunden, nur um damit eine äußere Welt zu internalisieren. Deshalb kann sie nicht als Mittel verwendet werden, mit dem sich eine solche Welt offenbar machen lässt. Es ist vielmehr so, dass der Akt des Erkennens in der Koordination des Verhaltens, welche die Sprache konstituiert, eine Welt durch das In-der-Sprache-Sein hervorbringt.“
Die Sprache, und das ist entscheidend, ist immer ein sich auf Verhalten beziehendes Erkennen. Sie ist immer an operationelle Pläne gekoppelt. Beim Sprechen werden Strukturen, also Beziehung des vertrauten Gebrauchs, welche die Menschen zu den Objekten haben artikuliert. So ist das Wort „Abfall“ beispielsweise nichts anderes als ein Hinweis auf ein Beziehungsgefüge. Mit der Sprache wird die Beziehung artikuliert die für eine Person gerade wichtig ist. „Abfall“ (wegschmeißen) ist ein anderes Bezugssystem als „Kunst“ (reflektieren). Beide Bezugssysteme können sich je nach Handlungsentwurf auf ein und den selben Gegenstand beziehen und so kann es beispielsweise dazu kommen, dass ein Kunstgegenstand innerhalb einer Ausstellung von der zuständigen Putzfrau als Müll verstanden und weggeworfen wird.
Durch die Sprache kann die Welt erfasst und wiedergegeben, bzw. die Bedeutung der Gegenstände (für den Menschen) erschlossen werden, wobei die Sprache durch die gegenständliche Welt mitbestimmt wird. Sprache und Gegenstände stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander.
„Unsere Natur bringt es so mit sich, dass die Anschauung niemals anders als sinnlich sein kann (…) Dagegen ist das Vermögen, den Gegenstand sinnlicher Anschauung zu denken, der Verstand. Keine dieser Eigenschaften ist der anderen vorzuziehen. Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.”